Anmerkungen
zur Assessment Scale for Written Work
Die
vorliegende Assessment Scale for Written Work ist das
Ergebnis einer mehrjährigen Zusammenarbeit einer Arbeitsgruppe von
AHS- und BHS Lehrern sowie Universitätslektoren, die im
Anschluß an ein Seminar des BMUK in Zusammenarbeit mit dem
British Council (Monitoring Communicative Competence) gebildet wurde.
Unser Ziel war es, die auf diesem Seminar vorgestellten Testmethoden
auf ihre Anwendbarkeit in der österreichischen Schule zu
überprüfen, bzw. prinzipiell geeignete Methoden an unsere
Gegebenheiten anzupassen.
Die
Vorlage für unsere Assessment Scale fanden wir in
Jacobs, Holly L. et al., Testing ESL Composition: A
Practical Approach, Newbury House, 1981. Das
Prinzip einer Rating Scale erschien uns zur Bewertung freier
schriftlicher Arbeiten besonders gut geeignet und wir entschlossen uns,
eine Rating Scale zu erstellen, die genau auf die Gegebenheiten der
österreichischen Schule abgestimmt ist. Wir hoffen, daß uns
dies mit der vorliegenden Scale gelungen ist.
Vorteile der Rating Scale:
Ausgewogenheit
von Inhalt und Sprache:
Die Assessment Scale zergliedert eine schriftliche Arbeit in fünf
Kategorien: Content, Organization, Vocabulary, Language und
Mechanics
und
ermöglicht so eine differenzierte Beurteilung einer schriftlichen
Arbeit, die sowohl inhaltliche als auch sprachliche Komponenten
berücksichtigt. Damit wird auch der
Forderung der Arbeitsgemeinschaft nach Einbindung des Inhalts
(Beurteilungsrichtlinien der ARGE) Rechnung getragen.
Transparenz
für die Schüler:
Durch die Gliederung der Beurteilung in fünf Einzelaspekte wird
eine größere Transparenz für den Schüler erreicht.
Erfahrung mit der Assessment Scale hat gezeigt, daß Schüler,
die wissen wo Ihre Schwächen liegen, viel stärker motiviert
sind, genau in diesem Gebiet zu arbeiten.
Backwash
Effect: Da bei der Beurteilung mit der Assessment Scale
genau ausgewiesen wird, in welcher Kategorie eine Arbeit Schwächen
aufweist, und diese Schwächen für den Schüler durch eine
geringe Punktezahl in dieser Kategorie stark spürbar werden,
steigt das Interesse des Schülers für eben diesen Aspekt der
Arbeit. Vor allem in den Kategorien Content und Organization ist durch das Bewußtwerden der
Schwächen oft schon ein großer Schritt in Richtung
Verbesserung getan.
Anwendung der Scale:
Für viele Kollegen, die ein gewohntes Schema zur Bewertung von
schriftlichen Arbeiten haben, und im Umgang mit diesem Schema sehr
geübt sind, ist der Einstieg in die Arbeit mit der Assessment
Scale etwas abschreckend und mühsam. Mit etwas Übung (wie
auch in jedem anderen Beurteilungssystem) ist die Bewertung mit der
Assessment Scale aber sehr einfach und zeitsparend. In der Folge finden
Sie einige Tips für die Anwendung der Scale.
1.
Lesen Sie die Arbeit einmal ganz durch, ohne Fehler zu markieren.
Anschließend lesen Sie die verbale Beurteilung in den Kategorien Content und Organization. Suchen Sie
nach Formulierungen, die Ihren subjektiven Eindruck von Inhalt und
Aufbau beschreiben. Meist finden Sie
mehrere passende Formulierungen innerhalb eines Absatzes und einige
wenige "Ausreißer" in höheren oder tieferen Absätzen.
Jetzt müssen Sie diese verbale Beurteilung in Punkte umsetzen.
Haben Sie beispielsweise zwei Formulierungen in der Gruppe good
to average und eine Formulierung in der Gruppe fair
to poor gefunden, so würden Sie etwa an das untere Ende der
Punkte in Gruppe good to average gehen und z.B. 14
Punkte für Content vergeben.
2.
Erst jetzt greifen Sie zu Ihrem Korrekturstift und markieren die Fehler
in der Arbeit. Bei diesem zweiten Lesedurchgang konzentrieren Sie sich
auf die Kategorien Vocabulary (Ausdruck) und Language(Grammatik). Die Kategorie Vocabulary
ist eine relativ große Kategorie, die Idiomatik,
Flüssigkeit, Register und Stil wie auch einzelne Vokabelfehler
umfaßt. In der Kategorie Language beurteilen
Sie die Sicherheit in der Verwendung geeigneter
(auch komplizierter) Strukturen. Auch hier wird eher der Gesamteindruck
beurteilt, als einzelne Fehler. Dieser Gesamteindruck verschlechtert
sich selbstverständlich mit steigender Fehlerzahl.
3.
Ein nochmaliger Blick auf ihre Korrektur hilft Ihnen bei der
Einschätzung der Kategorie Mechanics. Wie aus der
geringen Punktezahl hervorgeht, ist diese Kategorie von relativ
geringer Bedeutung.
4.
Addieren Sie nun die Punkte und vergeben Sie die Note: 100 - 91 = sehr
gut, 90 - 81 = gut, 80 - 71 = befriedigend, 70 - 60 genügend,
unter 60 nicht genügend.
Die
Schüler sollten vor der ersten Verwendung der Assessment Scale in
die Beurteilung mit der Scale eingeführt werden und eine Kopie des
Schemas bekommen. Mit Hilfe dieser Kopie kann der Schüler dann
immer seine Punktbewertung interpretieren. Es hat sich bewährt
unter die beurteilte Arbeit die erreichten Punkte für jede
Kategorie zu schreiben. z.B:
C: 17
O: 15
V: 22
L: 15
M: 4
Sum: 73 = Befriedigend
Die
Assessment Scale hat sich auch zur Bewertung von schriftlichen
Hausübungen bewährt. Mit etwas Übung sinkt der zeitliche
Aufwand beträchtlich. Der washback effect verstärkt sich
für die Schüler.
Die
Scale wurde auch schon erfolgreich bei der Beurteilung von
Maturaarbeiten (sowohl in AHS als auch BHS) eingesetzt. Hier hat sich
die verbale Beurteilung der Scale sehr gut als Basis für die
geforderte verbale Beurteilung der Maturaarbeit bewährt.
Wir
hoffen, daß die Assessment Scale auch Ihren Wünschen gerecht
wird und sind jederzeit offen für
Anregungen und Verbesserungsvorschläge .
die
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